2026 Abenteuer Transafrika (2) – Namibia 1

 

               ...wir sind zurück in Namibia... 

Nach 110 Tagen intensiver "Sommer- und Reisepause" in Deutschland, hat uns der afrikanische Kontinent wieder. Wir können jetzt nicht gerade behaupten, dass diese Zeit erholsam oder gar entspannend war. Sie war außerordentlich geprägt von einer Vielzahl an notwendigen Terminen und Arztbesuchen, sowie unzähligen Verabredungen und Treffen mit Freunden und Bekannten. Dazu kamen reichlich Festlichkeiten, die unsere Familien und der Sommer so mit sich bringen. Sofern es die Zeit erlaubte, verbrachten wir diese natürlich ebenso intensiv mit unserer Tochter Linda. Highlight war da sicherlich der Besuch bei ihr im italienischen Ferrara, wo sie zeitweise auch lebt. 

Fit hielten wir uns mit morgentlichem Schwimmen im ortsansässigen Schwimmbad und Hajo besuchte zudem regelmäßig das Training seiner "alten Herren" aus aktiven Fußballzeiten. So ganz nebenbei bereiteten wir uns natürlich auch wieder auf die bevorstehende Tour vor, die uns dieses Mal durch die südlichen Länder Afrikas führen soll. Straßenkarten und Reiseführer wurden besorgt und auch schon die ein oder andere Route ausgearbeitet. Mit vielen unserer Reisefreunden, die nach wie vor in Afrika unterwegs sind, standen wir in ständigem Kontakt und konnten so viele wertvolle Tipps erhalten – vielen Dank euch allen dafür.

Auch an unseren Iveco mussten wir denken. Reichlich deckten wir uns mit den notwendigen Verbrauchs- und Ersatzteilen ein, die im Süden Afrikas nur schwer oder gar nicht erhältlich sind.

Bereits bei unserem letzten Besuch im Mai diesen Jahres hatte uns Wilko, der Inhaber der Fa. Proworx in Windhoek/Namibia, erklärt, dass er auch die Zentral- bzw. Verteilergetriebe (VTG) von 4x4 Dailys nach den Vorgaben des Daily Gurus „Don Incoll“ (Compleat Idiot´s Guide) modifiziert. In dem Zusammenhang wollen wir auch gleich das gesamte VTG (ca. 150.000km) komplett überholen lassen. Hierfür besorgten wir uns sämtliche Rillenkugel-, Pendelrollen- und Nadelkranzlager sowie alle benötigten Wellendicht- und O-Ringe – das entpuppte sich allerdings als eine echte Herkulesaufgabe.

Zu guter Letzt, wurden noch die Reisekranken- und Fahrzeugversicherungen auf den neuesten Stand gebracht und unser Gepäck reisetauglich zusammengestellt und verpackt.

Den krönenden Abschluss bildete dann noch das jährlich stattfindende und 3-tägige "Ganzhornfest" in unserem Heimatort. Bei viel Livemusik, leckerem Essen und reichlich schmackhaften Getränken, trafen wir noch ein letztes Mal viele unserer Freunde und Bekannte – hier endete dann auch die lange Welle des Abschieds.

Nach überstandenem Stadtfest, verlassen wir bereits am Spätnachmittag des darauffolgenden Tages Neckarsulm. Linda lässt es sich nicht nehmen, ihre "Alten" noch am Abreisetag persönlich zu verabschieden. Dieses Mal sehen wir uns auch etwas schneller wieder, da wir zu Weihnachten einen Heimatbesuch eingeplant haben. Unser lieber Nachbar Andy fährt uns dann nach Frankfurt auf den Flughafen. Nach ein paar kleineren Ungereimtheiten während des Eincheckens, hebt unsere Maschine pünktlich nach Addis Abeba ab. Nach einem 3-stündigen Stopover verlassen wir auch schon wieder die Hauptstadt Äthiopiens. Überpünktlich erreichen wir die namibische Hauptstadt Windhoek, wo wir bereits von unserem Abholservice zum "Trans Kalahari Inn" erwartet werden.

Dort wartet nicht nur unser treuer Iveco auf uns, auch Reisefreunde von der "Westafrika Route" begrüßen uns im Camp – was für eine Willkommensfreude. Während des gemeinsamen Abendessen werden natürlich sämtliche Neuigkeiten ausgetauscht.

Nachdem wir das Fahrzeug wieder soweit eingeräumt und reisefertig haben heißt es als nächstes, auch den Kühlschrank wieder reichlich zu bestücken. Danach noch Wasser, Diesel und Gas nachtanken, bevor wir wieder sagen können: „…on the road again“.

Hier noch einmal ein kleiner Exkurs zu Namibia. Das Land ist mit seinen 3,5 Mill. Einwohnern etwa 2,5x so groß wie Deutschland und war von 1884–1915, unter dem Namen „Deutsch Südwestafrika“, eine deutsche Kolonie. Danach kam es unter südafrikanische Verwaltung, bis es 1990 endgültig unabhängig wurde. Die Kolonialzeit war geprägt von Enteignung und dem Völkermord an den Herero und Nama (1904–1908). Noch heute ist das koloniale Erbe durch deutsche Sprache, Architektur und eine kleine deutschsprachige Gemeinschaft im Land sehr präsent. Namibia ist aufgrund des großen Flächenanteils der namensgebenden "Wüste Namib", das nach der Mongolei am zweitdünnsten besiedelte Land dieser Erde. Daher, sowie auch durch die vielen Nationalparks und Schutzgebiete mit ihrer hohen Dichte an Wildtieren, ist Namibia ein sehr beliebtes Reiseland.

Doch bis zu unserem Werkstatttermin bei Wilko haben wir noch ein paar Tage Zeit. Um diese nicht in Windhoek absitzen zu müssen, unternehmen wir eine erste kürzere Tour. Über den „Wendekreis des Steinbocks“ und vorbei an ein paar alten Autowracks, geht es hinauf auf den 1.676m hohen „Spreetshoogte Pass“. Dort warten bereits Moni & Roland, mit denen wir das anstehende Wochenende verbringen wollen. Auch der „kleine Drecksack“ Aiko, kann seine Wiedersehensfreunde kaum bändigen.

Mit einem fantastischen Ausblick hinunter in die dort beginnende „Namib Wüste“, platzieren wir unsere Fahrzeuge. Am Abend wird deftig gegrillt und am anschließenden Lagerfeuer die neuesten Heldengeschichten ausgetauscht.

Wieder zurück in Windhoek macht sich Wilko und sein Team sofort an die Arbeit. Das VTG wird ausgebaut, zerlegt und gewaschen.

In einem der Gehäusedeckel werden nun in einer Fräserei an den beiden Durchführungen der Untersetzungs-Schaltwellen, zu den bereits vorhandenen O-Ringen, zwei weitere Nuten für zusätzliche Wellendichtringe eingefräst. Diese O-Ringe gelten wohl als Schwachpunkt des VTG und können nach mehreren Jahren undicht werden. Am anderen Deckel wird eine Halterung angebracht die den Spannring daran hindern soll, aus der Nut zu springen und dadurch das gesamte VTG zerstören könnte.

Zwischenzeitlich, wie auch während des gesamten Zusammenbaus, werden sämtliche Lager sowie Dichtungen und Dichtringe durch die mitgebrachten Neuteile ersetzt. Nach drei Tagen kann das VTG wieder eingebaut werden. Nachdem nun auch das neue Getriebeöl und das Hydrauliköl des Vorgeleges eingefüllt sind, steht der ersten Probefahrt nichts mehr im Wege. Sämtliche Untersetzungen und Sperren schalten sich nach wie vor wie am ersten Tag. Vielen Dank, dir lieber Wilko und deinem Super-Team.

Als eine ebenso schwierige Aufgabe, stellt sich die Suche nach unseren Reifen heraus. Nicht die Reifengröße ist das Problem, sondern der richtige Lastenindex. Doch bei „TrenTyre“ in Windhoek werden wir fündig. Um vorerst einen vollwertigen Ersatzreifen an Bord zu haben, lassen wir diesen gleich vor Ort aufziehen. Die restlichen vier Reifen sollen erst vor unserer Weihnachtspause auf das Fahrzeug montiert werden.

In einen wahren Kaufrausch verfallen wir, als wir an der Wursttheke eines großen Supermarktes stehen. Gelbwurst, Bierschinken und Bockwürste, sowie Maultaschen und Leberkäs Scheiben sind hier erhältlich – wer kann da schon widerstehen!

Jetzt verlassen wir endgültig die namibische Hauptstadt und fahren nach Norden. Kurz hinter Ojiwarango treffen wir ein letztes Mal auf unsere Reisefreunde Moni & Roland. Immer wieder fuhren wir während der letzten 12 Monate verschiedene Abschnitte, entlang der „Westroute“, gemeinsam Richtung Süden – doch jetzt trennen sich unsere Wege endgültig. Während wir in ein paar Tagen über den "Caprivi Streifen" gen Osten fahren werden, treten die Beiden ihre Rückreise nach Europa, erneut über die "Westroute" an. 

Vielen lieben Dank euch Beiden, für die gemeinsame und erlebnisreiche Zeit. Wir wünschen euch weiterhin ganz viel Spaß, viele tolle Erlebnisse und Begegnungen sowie eine unfall- und pannenfreie Fahrt nach Hause – wir sehen uns wieder.

Im "Oppi-Koppi Camp", in Kamanjab, entspannen wir uns noch für ein paar Tage. Wir genießen die nähre Umgebung mit kleinen Wanderungen und relaxen am Pool. Ebenso treffen wir dort auf alte Bekannte wieder, wie auch liebgewonnene Menschen.

Kurz nach Sonnenaufgang machen wir uns auf den Weg in den Norden Namibias. Über gut ausgebaute Straßen und präparierte Pisten erreichen wir kurz vor Grootfontein den „Hoba Meteoriten“. Er gilt bis dato als der größte auf der Erde entdeckte Meteorit. 1920 stolperte ein Farmbesitzer eher zufällig beim Pflügen über den Metallblock, da sein Pflug daran hängen blieb. Da es keinen größeren Krater gibt wird vermutet, dass der 60 Tonnen schwere Himmelskörper vor ca. 80.000 Jahren, in einem sehr spitzen Winkel auf die Erde traf und hierher glitt. Seit 1955 hat der Meteorit wie auch das Gelände drumherum den Status eines nationalen Denkmals. Unübersehbar ist leider auch, dass sich seither schon viele Besucher ein Stück aus dem Eisenklumpen gesägt oder geschnitten haben. Sehr erfreulich dagegen ist, dass der Frühling Einzug gehalten hat und Vieles in voller Blüte steht – herrlich.

In Rundu erreichen wir den „Okavango“. Der ca. 1.700km lange Fluss ist hier gleichzeitig auch die Grenze zu Angola. Nach einer kleinen Versorgungsrundfahrt durch den Ort, platzieren wir uns für das anstehende Wochenende in einem sehr überschaubaren Camp direkt am Ufer. Als sehr erfrischend empfinden wir den kleinen Pool, der ausschließlich mit Flusswasser befüllt wird.

An einem der Abende trottet urplötzlich kurz nach Sonnenuntergang ein Hippo aus dem Fluss. In aller Seelenruhe grast der junge Bulle am Ufer entlang. Nach einer halben Stunde hat er rund um den Bootsanleger alles abgefressen und verschwindet wieder in aller Gemütlichkeit im nächtlichen Okavango – irre.

Auch das Kulinarische kommt bei uns nicht zu kurz. So nach und nach werden unsere „Kaufrauschbestände“ aufgebraucht. Mal gibt es Maultaschen in der Brühe, mal Leberkäs mit Spiegelei und Röstzwiebeln. Nachdem wir auch die Bratwürste alle vertilgt haben, ist in unserem Gefrierfach wieder genügend Platz für Leckereien

Unser nächster Spot liegt ebenfalls direkt am Okavango – es ist das „Camp Ndurukoro“. Nicht nur, dass wir hier direkt über dem Ufer stehen können, von einem Aussichtsstand aus direkt hinter unserem Fahrzeug, lässt sich auch der Flusslauf in beide Richtungen bestens beobachten – und da gibt es doch so Einiges zu sehen. Neben den unzähligen bunten Vögeln entdecken wir auch ein stattliches Krokodil, das sich aus dem Wasser kommend auf eine Sandbank zum Sonnenbaden ablegt.

Doch das absolute Highlight sind hier die vielen Hippos, die sich in der Flussmitte versammelt haben. Ein mächtiger Bulle hat sich auf einer Untiefe mit seinen vielen Hippo-Kühen und seiner gesamten Nachkommenschaft niedergelassen.