2026 Abenteuer Transafrika – Kamerun / Rep. Kongo / DR Kongo
Nachdem wir die entspannte Ausreise aus Nigeria hinter uns haben, geht es auf der s.g. „Mayo-Banyo Route“ weiter. Die Einreiseformalitäten für Kamerun erfolgen erst später. Erst ein knappes Drittel der etwa 250km langen Piste, über und durch den Gebirgsabschnitt, der Nigeria mit Kamerun verbindet, haben wir hinter uns. Kaum einer von uns dachte je daran, dass es auf der verbleibenden Strecke irgendwie besser werden könnte. So ist es dann auch. Auf der Kameruner Seite erwartet uns erneut eine teilweise üble Offroadpiste – ganz nach dem Motto, „schlimmer geht immer“. Steil rauf, steil runter und z.T. von der letzten Regenzeit noch stark ausgewaschene Gräben und Spurrillen. Auch die eine oder andere Wasserdurchfahrt steht uns noch bevor. Das alles gepaart mit dem s.g. „Fechfech“ (sprich: feschfesch) – feinster Staub, zumeist ausgewaschen aus Wasserläufen. Auch wenn alles dicht verschlossen ist, diesen feinen Staub hält nichts und niemand auf.
Kamerun ist ein zentralafrikanisches Land und hat fast die Größe von Spanien. Von den ca. 28 Mio. Einwohnern sind etwa 2/3 Christen. Das Land wird sehr autoritär regiert und Korruption und Folter sind noch immer weit verbreitet – der Präsident hält sich bereits 46 Jahre an der Macht. Ab 1884 war Kamerun eine deutsche Kolonie. 1919 wurde es lt. Versailler Vertrag Frankreich zugesprochen. Englisch und Französisch sind die beiden Amtssprachen, was immer wieder auch zu schweren Konflikten führt. Überwiegend herrscht tropisches Klima das in den Bergen etwas abgemildert ist. Flora u. Fauna sind sehr vielseitig. Zu den natürlichen Ressourcen des Landes gehören u.a. Erdöl, Bauxit, Eisenerz, Gold und Diamanten.
Weitere zwei Tage sind wir noch unterwegs, bis wir endlich Banyo erreichen. Es ist die erste größere Häuseransammlung auf Kameruner Seite. Hier können wir die restlichen Einreiseformalitäten erledigen und Euros in die Landeswährung „Neira“ eintauschen.
Kaum haben wir den Ort hinter uns gelassen, beginnt die Piste von Neuem. Von hier aus liegen aber immer noch fast 120km der gesamten Offroadstrecke vor uns. Doch ganz so heftig wird es jetzt nicht mehr werden. Oft durchfahren wir nun auch bewaldete Regionen, die Wasserdurchfahrten werden entspannter und langsam aber sicher verlieren wir wieder an Höhenmetern.
Auch auf diesem Teilabschnitt mangelt es nicht an attraktiven Übernachtungsplätzen. Mal an einem Flüsschen, oder mal im Urwald.
Wir erreichen Tibati, das Ende der fast 250km langen Gebirgsüberquerung von Nigeria nach Kamerun. Wie geschickt, direkt am Abzweig befindet sich eine Tankstelle und auf der anderen Straßenseite können wir unsere Fahrzeuge gleich waschen lassen. Auch hier laufen binnen weniger Minuten viele neugierige Kinder und Jugendliche zusammen – doch keiner ist aufdringlich und niemand bettelt uns um etwas an. Alle sind nur neugierig und möchten gerne Bilder mit uns machen.
Auf feinstem Asphalt rollen wir Jaounde, der Hauptstadt Kameruns entgegen. Wir können es kaum glauben, wie ruhig und rüttelfrei unser Iveco dahinrollt – und das mit mehr als nur in zwei Gängen. Am Abend dann noch ein wunderschöner Sonnenuntergang.
Am frühen Morgen hängt der dichte Nebel noch direkt über dem Urwald. Doch je weiter wir nach unten kommen, um so mehr löst er sich auf. Es ist eine tolle Landschaft die wir durchfahren. Dichter Urwald zu beiden Seiten säumt über hunderte von Kilometern die Straße. Immer wieder lassen sich auch größere Herden von Zebus oder Watussirinder am Straßenrand blicken. Leider sehen wir aber auch sehr viele LKWs, die mit den Stämmen der Urwaldriesen beladen sind – der chinesische Markt lechzt nach Tropenholz.
Jaounde lässt sich kaum mit unseren seither erlebten Großstädten in West- und Zentralafrika vergleichen. Die Straßenverhältnisse sind nicht ganz so katastrophal und es wird tatsächlich auch daran gearbeitet. Einen guten Stellplatz finden wir vor dem „Benediktiner Kloster“, auf einem Hügel unweit der Stadt. Hier oben ist es ruhig und man hat einen tollen Ausblick auf das nächtliche Lichtermeer.
Leider steht schon wieder eine Runde „Schrauben“ am Iveco an. Kurz vor Erreichen des Klosters meldet sich die Warnleuchte des Kühlsystems, begleitet von einem schrillen Piepston. Ein schneller Blick genügt um zu erkennen, dass wir Kühlwasser verlieren. Einer der unteren Kühlwasserschläuche ist undicht. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist auch dies eine Folge, des bis vor wenigen Wochen permanenten Ölverlustes. U.a. ergoss sich dabei das Motorenöl auch auf diesen Schlauch der dadurch porös wurde. Zusammen mit Aart, unserem LKW- und Dakar-Spezialisten, bastelt Hajo aus mehreren gebrauchten Kühlwasserschläuchen und einem Stück Rohr einen perfekten Ersatz. Obwohl mehrere unserer Reisefreunde bereits in Kürze Flugtermine ab Angola bzw. Namibia haben, bleiben alle vor Ort. Jeder möchte warten, bis auch wir wieder fahrtüchtig sind – vielen lieben Dank für eure Loyalität.
In der Zwischenzeit kümmert sich Bernadette um unser leibliches Wohl und geht mit den „Nichtschraubern“ in einem nahegelegenen Supermarkt einkaufen – dabei wurde an alles gedacht.
An einem der Abende findet in der Kirche ein klassisches Konzert statt, zu dem auch wir eingeladen sind – sehr nette Abwechslung.