2026 Abenteuer Transafrika –  Angola (2)

 

Am späten Nachmittag fahren wir durch den kleinen Ort Cachoeira. Durch Zufall sehen wir ein Hinweisschild auf Wasserfälle, an denen man direkt am Flussufer mit Blick auf die Fälle stehen kann – genau unser Platz. Neben Abhängen und etwas technischem Dienst am Fahrzeug, schauen wir uns natürlich von der alten Brücke aus auch die Kaskaden an, die den Wasserfall speisen.

Erneut ist es der Zufall, dass wir den „Cubal River Canyon“ entdecken. Unmittelbar nach einer kleinen Brücke gibt es einen fast unscheinbaren Abzweig, der auf einem Parkplatz endet. Von dort folgen wir dem Trampelpfad der uns entlang des Flusses durch den kleinen Canyon führt. Nach einer Stunde sind wieder zurück – war nicht sonderlich spektakulär, aber allemal einen Besuch wert.

Auch die „Alfa Bar“ in Lobito wird sich in näherer Zukunft immer mehr zu einem Hotspot für Overlander entwickeln. Alfredo, der Eigentümer des tollen Strandrestaurants, verfügt neben zwei Beachvolleyball Feldern auch über einen größeren Strandabschnitt, auf dem Overlander kostenfrei stehen dürfen. Allerdings wird erwartet, dass die Gäste sich im Restaurant sehen lassen – und das können wir wärmstens empfehlen. Auch für Probleme rund um die Fahrzeuge, kennt Alfredo reichlich Kontakte. Für alle bürokratischen Anliegen stellt er auch gerne seine technischen Einrichtungen im Büro zur Verfügung.

Langsam spürt man, dass die Luftfeuchtigkeit nachlässt und auch die Wassertemperatur des Atlantik spürbar nach unten geht. Verantwortlich dafür ist der s.g. Benguelastrom. Benannt wurde er nach der gleichnamigen Stadt, südlich von Lobito, bis wohin die kalten Strömungen aus dem südlichen Polarmeer reichen.

Heute ist ein reiner Fahrtag, da wir in einem Rutsch bis nach Lubango durchfahren wollen. In Benguela passieren wir den Bahnhof, an dem am frühen Morgen schon großes Treiben herrscht. Es ist der Start- bzw. Endbahnhof der ersten Bahnlinie des Landes, die bis nach Huambo, im angolanischen Hochland führt. Diente sie vor dem Bürgerkrieg (1975-2002) noch überwiegend dem Transport von abgebauten Erzen zu den Verladehäfen, so wird sie heute immer mehr für den Personentransport genutzt und weiter ausgebaut.

Wir verlassen die Küstenregion und fahren fortan stetig bergauf. Zunächst gleicht die Landschaft eher einer Wüste, bevor sie in die Savanne übergeht. Je weiter wir an Höhe gewinnen, desto mehr wird sie zu einer niederen und dichterwerdenden Buschlandschaft. Am Nachmittag durchfahren wir dann noch eine heftige Regenfront, bevor wir Lubango erreichen. Unschwer ist zu erkennen, dass es auch hier ergiebige Niederschläge gab – und das nicht nur heute.

Am nächsten Tag besuchen wir die „Christo Rei“ Statue, die auf über 2.000m über der Stadt thront. Es ist die kleinste der drei Statuen, nach Rio de Janeiro und Lissabon, die die Portugiesen errichtet hatten. Der Ausblick auf die uns zu Füßen liegende Stadt ist einfach nur fantastisch. Aus der Stadt selbst ist die aus weißem Marmor errichtete und 30m hohe Statue kaum zu erkennen.

Zu einer der „sieben angolanischen Naturwundern“ zählt u.a. auch die „Tundavala Schlucht“. Nicht weit entfernt von Lubango, führt die Straße durch eine atemberaubende Landschaft hinauf zu dem Cliff. Von mehreren Aussichtspunkten hat man nicht nur einen fantastischen Blick auf das vor sich liegende Tal, sondern auch auf die das Tal umgebende Gebirgskette. Das Highlight ist jedoch der bis zu 1.200m tiefe Spalt zwischen den beiden Massiven. Von keinem Punkt aus rund um den Spalt, ist der tiefste Punkt der Tundavala Schlucht wirklich zu sehen. Wegen seiner einzigartigen Schönheit ziert der Blick durch diese beiden Felsmassive entlang des Spaltes in das weite Tal, die Rückseite des 500 Kwanza Geldscheins.

Wieder zurück am Fahrzeug werden wir bereits von fünf Mädchen der Volksgruppe der „Mwila“ erwartet. Es sind halbnomadische Hirten, die überwiegend hier oben auf dem „Humpata-Plateau“ leben und noch stark mit ihrer traditionellen Kultur verbunden sind. So sind z.B. die Frauen berühmt für ihre aufwendigen Frisuren, die mit einer Mischung aus Lehm, Kuhdung und Tierfetten geformt werden – das wiederum ist Geschmacksache.

Wir verlassen das „Humpata-Plateau“ über den nördlich der Tundavala Schlucht gelegenen "Humbia-Pass". Im Gegensatz zum bekannteren Leba-Pass, ist der Humbia-Pass weitaus weniger frequentiert und es werden ebenso auf kürzester Distanz fast 1.000 Höhenmeter überwunden. Die Ausblicke auf das davorliegende Tal sowie die umliegenden Berge sind einfach grandios – allerdings kommen die Bremsen auf den etwa 15 Kilometern ganz schön ins Schwitzen. Mit Blick auf das Massiv geht es unterhalb des Passe weiter in Richtung Süden. Dabei kreuzen wir noch die Bahnlinie, bevor sie sich von Namibe herkommend nach Lubango hochwindet.

Je näher wir dem kleinen Städtchen Namibe kommen, umso weiter tauchen wir in den nördlichsten Zipfel der „Namib Wüste“ ein – es wird trockener und heißer. Südlich des Ortes genießen wir in einem netten Camp für ein letztes Mal das Strandleben am Atlantik.

Eine wahre Perle in der nördlichen, angolanischen Namib ist der „Colinas Canyon“, im Iona NP. Über viele Kilometer führt eine teilweise üble Wellblechpiste in die weitläufige und farbenprächtige Canyon-Landschaft. Sie zeichnet sich durch tiefe Schluchten, schroffe Klippen sowie rote, gelbe und ockerfarbene Sandsteinformationen aus, die sich kilometerweit in die Wüste erstrecken.

Beim Durchfahren der einzelnen Seiten-Canyons fühlen wir uns unwillkürlich an die Nationalparks im Süd-Westen der USA erinnert. Egal wohin wir blicken, immer wieder entdecken wir weitere, bizarre Felsformationen – bis hin zu einem herrlichen Sandsteinbogen.

Ein schattiges Plätzchen für eine ausgedehnte Mittagspause zu finden, ist im Colinas Canyon äußerst schwierig. Um diese Jahreszeit steht die Sonne während der Mittagszeit fast noch im Zenit – da bietet sich so ein Felsüberhang doch geradezu dafür an.

Während unserer kurzen Wanderungen zu den unterschiedlichsten Tageszeiten, dürfen wir die wahre Farbenpracht dieser wunderschönen Landschaft jedes Mal anders erleben.

Nicht weit entfernt des Colinas Canyon befinden sich drei Seen, die leider durch den Mangel an Niederschlägen der letzten Jahre ausgetrocknet sind. Dort, wo früher noch viele Flamingos Zwischenstation machten, grasen heute Rinder, Schafe und Ziegen. Auf einer mehr oder weniger gut zu befahrenden Sandpiste erreichen wir die Seen.

Mit einem lokalen Führer gehen wir von dem kleinen Dorf aus zu dem zweifelsohne bekanntesten der drei Seen, dem „Arco Lake“. Direkt an seinem Ufer befinden sich die markanten Sandsteinbögen (Arches), die den See für die wenigen Touristen die sich hierher verirren interessant macht. Schon auf dem Weg dorthin sehen wir fantastische Felsformationen, die durch Erosion in den letzten 60.000 Jahren entstanden sind.

Auf der Weiterfahrt entdecken wir unmittelbar am Straßenrand eine größere Ansammlung von Welwitschias. Dabei handelt es sich um zweiblättrige Pflanzen, die endemisch nur in der Namib-Wüste vorkommen und bis zu 2.000 Jahre alt werden können. Bereits vor über 100 Millionen Jahren war die Welwitschia auf der Erde weit verbreitet. Sie gilt auch als die Nationalpflanze Namibias.

Langsam müssen wir uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass unser 30-tägiges Visum für Angola in wenigen Tagen endet. So schwer es uns auch fällt, machen wir uns jetzt auf den Weg an die namibische Grenze. Angola hat uns überraschenderweise sehr gut gefallen und wir konnten in der kurzen Zeit viel von dem Land sehen und entdecken. Ebenso hatten wir tolle Begegnungen und lernten sehr interessante Menschen kennen. Nach wie vor steckt das Land touristisch gesehen in den Kinderschuhen und eine Infrastruktur für Besucher und Gäste ist nur schwer zu erkennen – und das wird wohl noch lange so sein. Für Overlander und Individualreisende wird Angola jedoch noch lange Zeit eine Herausforderung und ein absolutes Abenteuer darstellen.

Zurück nach Lubango wählen wir diesesmal die Strecke über den „Leba Pass“. Über unzählige Serpentinen schrauben wir uns fast 1.000 Höhenmeter nach oben, bis wir den Aussichtspunkt auf dem gegenüberliegenden Massiv erreichen. Mit einem fantastischen Ausblick auf den oberen Straßenverlauf des Passes, platzieren wir uns gleich für die anstehende Nacht. Der Blick von hier aus ist so spektakulär, dass er es sogar auf die Rückseite des 2.000 Kwanza Geldschein geschafft hat.

Außer einem kurzen Stopp am Supermarkt, lassen wir Lubango recht schnell hinter uns. Ein letztes Mal übernachten wir in einem „Bush Camp“, weg von der Straße zwischen schattenspendenden und weit ausladenden Schirmakazien. Nach Einbruch der Dunkelheit sind nur noch die Geräusche der nachtaktiven Buschbewohner zu hören – herrlich.

Schon von der Straße aus ist sehr gut zu erkennen, dass die Dichte der Baobabs (der Affenbrotbäume) immer größer wird. In Afrika ist der Baobab weit mehr als nur ein Baum. In vielen Teilen gilt er als heilig und die Früchte sind nicht nur Lebensmittel, sondern werden seit jeher auch für medizinische Zwecke verwendet – daher ist er in Afrika auch unter „Apothekerbaum“ bekannt.

Wir wollen uns den „größten Baobab“ Afrikas anschauen. Hierfür verlassen wir die Straße und müssen mehrere Kilometer Sandpiste auf uns nehmen. Doch für die holprige Anfahrt werden wir reichlich belohnt. Stattliche 28m Umfang misst der Stamm dieses Baobabs und wir können uns kaum an diesem Monsterbaum sattsehen.

Wieder zurück auf unserer Hauptroute, säumen unzählige verrostete Panzer aus der grausamen Zeit des Bürgerkrieges (1975-2002) die Straße. Mahnend erinnern sie an die 27 Jahre, in denen schätzungsweise bis zu einer Million Menschen ums Leben kamen, mehrere Millionen flüchteten und das Land komplett zerstört wurde.

Schon von weitem sehen wir die schwarze Wand am Horizont, in die wir in Kürze reinfahren werden – die Regenzeit steht uns bevor. Doch bevor der große Regen beginnt, taucht die gesamte Landschaft um uns herum in ein kontrastreiches Farbenmeer ein.  

Jetzt ist es nicht mehr weit bis an die Grenze Namibias. An der letzten Tankstelle vertanken wir noch unsere verbliebenen Kwanzas – bei €0,37 pro Liter Diesel macht das sogar richtig Spaß. Dieses Mal zieht sich die Abfertigung der Ausreise jedoch etwas in die Länge, da ein englischer Truck mit 12 Reisenden zeitgleich an der Grenze ankommt. Nachdem alle Papiere und Pässe abgestempelt sind sowie die noch zu zahlende Straßenmaut entrichtet ist, dürfen wir den Schlagbaum passieren – Obrigado Angola, schön war´s.