2026 Abenteuer Transafrika – Namibia (1)
Noch auf der angolanischen Seite haben wir den englischen Truck hinter uns gelassen und fahren zur Abfertigung auf die namibische Seite rüber. Noch bevor wir den Iveco zur dortigen Abfertigung parken, kommt uns erstmal eine Herde vierbeinige und vermutlich auch illegale Grenzgänger entgegen – das kann ja heiter werden. Seit einem knappen Jahr benötigen nun auch deutsche Bundesbürger ein Visum für die Einreise nach Namibia. Bereits im Vorfeld haben wir ein E-Visa beantragt und haben es in ausgedruckter Form dabei. Auch der 19te Grenzübertritt in Afrika verläuft absolut problemlos. Nach einer halben Stunde sind alle Formalitäten erledigt und wir dürfen für die nächsten 90 Tage in Namibia bleiben.
Namibia ist mit seinen 3,5 Mill. Einwohnern etwa 2,5x so groß wie Deutschland und war von 1884–1915, unter dem Namen „Deutsch Südwestafrika“, eine deutsche Kolonie. Danach kam es unter südafrikanischer Verwaltung, bis es 1990 unabhängig wurde. Die Kolonialzeit war geprägt von Enteignung und dem Völkermord an den Herero und Nama (1904–1908). Noch heute ist das koloniale Erbe durch deutsche Sprache, Architektur und eine kleine deutschsprachige Gemeinschaft im Land präsent. Namibia ist aufgrund des großen Flächenanteils der namensgebenden "Wüste Namib" das nach der Mongolei am zweitdünnsten besiedelte Land der Welt. Daher und auch durch die vielen Nationalparks mit ihrer hohen Dichte an Wildtieren, ist Namibia ein sehr beliebtes Reiseland.
Die erste Herausforderung in Namibia ist der Linksverkehr. Doch schnell sind wir mit dieser durchaus gewöhnungsbedürftigen Verkehrsregel wieder vertraut, da die Verkehrsdichte in Namibia doch sehr gering ist. Wir steuern nun den nächsten mtc-Laden an, um uns SIM-Karten zu besorgen. Noch immer ist auch in Namibia Starlink außer Funktion – schade.
Unser erstes Ziel ist der Etosha Nationalpark. Der seit 1964 bestehende NP und eines der bedeutendsten Schutzgebiete Afrikas, hat etwa die Größe des Bundeslandes Hessen. Neben den vielen Wildtieren beinhaltet der Park auch die größte Salzpfanne Afrikas.
Eine recht holprige Piste, führt durch das nördlich gelegene „King Nehale Gate“ in den zweitgrößten Nationalpark des Landes hinein. Zunächst werden wir registriert und auf mitgeführte Haustiere, Fleischprodukte sowie Drohnen befragt, die nicht in den Nationalpark gebracht werden dürfen. Nach einer kurzen Belehrung über die Fahrregeln innerhalb des Parks dürfen wir das Gate passieren.
Kaum haben wir das Gate hinter uns, lassen sich schon die ersten Tiere blicken. Neben Gnus, Zebras und Giraffen die wir täglich zu Haufe sehen, lassen sich auch vielerlei Böcke (........) beobachten. Zum größten Teil sind die Tiere an die vorbeifahrenden Fahrzeuge gewohnt und lassen sich in ihrer Ruhe kaum stören – jedoch ist das Aussteigen strengstens verboten. Die Hauptpisten durch den Park sind überwiegend breit und gut präpariert. Auf den Nebenpisten muss allerdings des Öfteren mit tiefen und wassergefüllten Löchern gerechnet werden – dafür sind wir aber so gut wie alleine unterwegs.
Kurz bevor wir unser erstes Camp erreichen, entdecken wir in der Ferne ein Nashorn. Den meisten Nashörnern innerhalb des Parks wurden jedoch ihre Hörner entfernt, um sie so vor den Wilderern zu schützen. Wenige Kilometer weiter überquert unser erster Elefant die Straße, den wir kurz darauf am naheliegenden Wasserloch wiedersehen. Der "Etosha NP" verfügt über vier Camps. Während der Hauptreisezeiten ist es ratsam, sein angepeiltes Nachtquartier bei Zeit zu reservieren. Momentan ist eine Reservierung allerdings nicht notwendig, da kaum Besucher da sind. Für die nächsten beiden Nächste bleiben wir im "Camp Namutoni".
Die Tore der Camps werden über Nacht verschlossen und erst zum Sonnenaufgang geöffnet. An allen Tagen stehen wir pünktlich davor, damit wir am frühen Morgen mit den Beobachtungen starten können – und das zahlt sich aus. Bereits am ersten Wasserloch lässt sich wie aus dem Nichts kommend ein stattlicher Löwe mit blutverschmierter Mähne blicken. In aller Ruhe legt er sich davor um seinen Durst zu stillen. Danach schreitet seine Majestät in aller Gemütlich wieder davon und verschwindet im Busch – wow.
Auch an einer großen Vielfalt an Vögeln mangelt es im Etosha Nationalpark wahrlich nicht. Angefangen mit den größten Laufvögeln dieser Erde, den Straußen, bis hin zu den Riesentrappen, den Savannenadlern, den kleinen, wendigen Webervögeln mit ihren tollen Nestern sowie vielen anderen mehr, können wir im Laufe der nächsten Tage beobachten.
Die nächsten Tage sind erneut mit vielen Highlights bestückt. So entdecken wir eine Löwin die ihre vier Jungen aus dem Busch holt, um sie an das von ihr erlegte Gnu zu bringen. Fast zwei Stunden beobachten wir die fünf Katzen, wie sie sich an der Beute stattfressen. Nach ca. vier Stunden kehren wir an den Fressplatz der Löwen zurück. Zwischenzeitlich haben sich reichlich Aasgeier um das erlegte Gnu versammelt, die größtenteils noch erfolgreich von der Löwenmutter auf Distanz gehalten werden. Auch mehrere Schakale lauern bereits auf ihren Anteil, der irgendwann auch mal für sie abfallen könnte – sehr spannend.
Auf einer großen Runde über mehrere Seiten-Loops durchfahren wir nicht nur prall gefüllte Wasserlöcher, auch einzelne Gnus, Schakale, Oryxantilopen, Elefanten, wie auch ganze Zebraherden kreuzen dabei unseren Weg. Im Park wurden mehrere umzäunte "Rest Areas" eingerichtet. In denen kann man bedenkenlos eine Pause einlegen und ist vor ungebetenen Gästen sicher.
Nach fünf Tagen im Etosha NP entdecken wir unsere erste Tüpfelhyäne. Schnell lässt sie ihre Beute fallen sowie ihre drei Jungen im hohen Gras zurück und startet ein Ablenkungsmanöver. Alleine umrundet sie jetzt unser Fahrzeug. Danach legt sie sich unmittelbar vor uns auf den Fahrweg und wartet ab – auch wir sind gespannt wie es weitergeht. Nach mehreren Minuten des Abwartens steht sie wieder auf, trottet in entgegengesetzter Richtung davon und verschwindet langsam im hohen Gras – ein sehr cleveres Tier.
Dass unser Fahrzeug von oben bis unten verdreckt ist macht uns wenig aus. Wesentlich mehr Kopfzerbrechen bereitet uns dagegen die Pfütze unterhalb des Motors, die wir unmittelbar nach dem einchecken im "Camp Olifantsrus" entdecken. Der freundliche Ranger nimmt sofort die Buchung wieder zurück und nennt uns eine kompetente Werkstatt in "unmittelbarer" Nähe – immerhin auch noch 130km. Wir füllen das Kühlwasser nach und machen uns auf den Weg.