2026 Abenteuer Transafrika – Cabinda / DR Kongo / Angola I
Nachdem uns der nette Zöllner auf der angolanischen Seite einen Parkplatz zugewiesen hat, gehen wir mit allen Dokumenten und Unterlagen zur Abfertigung. Was sollen wir sagen, trotz sprachlicher Barrieren sind sämtliche Einreiseformalitäten sehr schnell erledigt und wir können nach Angola einreisen. Wir haben eine 30-tägige Aufenthaltsgenehmigung erhalten die wir anhand dem, was es in Angola alles zu sehen und zu tun gibt, auch brauchen werden. Zudem ist es unser vorletzter Grenzübertritt dieser Reise, bevor wir von Windhoek/Namibia aus über die Sommermonate nach Hause fliegen werden.
Unmittelbar hinter der Grenze erwartet uns von Neuem eine recht heftige Piste. Nach 30 nervenzehrenden und materialbelastenden Kilometern an Geschuckle und Gerüttle, endet urplötzlich die Piste und geht in eine phantastische Straße über – unglaublich.
Angola
Tja, irgendwo auf der Rüttelpiste haben wir uns eine Schraube im Hinterreifen eingefangen. Doch was eine gute Reifenwerkstatt am Straßenrand ausmacht ist, dass sie das Loch kurzerhand wieder flicken – 10 Minuten später sind wir schon wieder unterwegs.
In M´banza Kongo besuchen wir das Museum des damaligen „Königreiches Kongo“. Von unserem Museumsführer erfahren wir viel aus der faszinierenden Geschichte dieses einst blühenden Königreiches. Es erstreckte sich über weite Teile des heutigen Angolas, der DR Kongo und Gabuns. Das Reich wurde um 1390 gegründet und 1665 nach einer Schlacht mit den Portugiesen zerschlagen. Ebenso geben die wenigen Ausstellungsstücke Einblicke in den Alltag und die damaligen Gebräuche. Unmittelbar daneben befinden sich die Ruine der ersten Kirche, die von den Portugiesen im Jahre 1492 in Angola erbaut wurde. Sie ist zwischenzeitlich UNESCO-Weltkulturerbe und auf der Rückseite des 5.000 Kwanza Schein abgebildet.
Auf unserer Weiterfahrt durch die südlichsten Ausläufer des immergrünen Urwaldes, wird die Dichte der „Baobabs“, der Affenbrotbäume, immer höher. Das bedeutet, dass die Landschaft so nach und nach in eine Savanne übergeht. Immer noch ist die Luftfeuchtigkeit sehr hoch und auch Temperaturen weit jenseits der 30°C – doch unsere Klimaanlage arbeitet ohne Probleme.
Nach N`Zeto erreichen wir am wunderschönen „Praia Casamba“ wieder den Atlantik. Es ist ein toller Flecken Erde. Für ein paar Tage genießen wir die Ruhe und Abgeschiedenheit hier am Strand – auch für ein etwas aufwendigeres Menü ist jetzt wieder Zeit.
Überall entlang der Westroute gibt es s.g. „Overlander Hotspots“. Dazu zählt auch der Campingplatz „Kaukakos“, der in der Hauptstadt des Landes, Luanda, von Louis und Julieta betrieben wird. Hier kann man sich mal wieder die Wäsche in einer richtigen Waschmaschine waschen lassen und Louis steht mit Rat und Tat zu allen Fragen rund ums Fahrzeug oder der Weitereise zur Verfügung. Für Entspannung und Unterhaltung sind für die Gäste ein Pool mit Bar und verschiedene Spielmöglichkeiten vorhanden. Am Abend lassen wir uns von Julieta lecker bekochen. U.a. treffen wir hier auch Margret und Hans wieder, mit denen wir gemeinsam die „Mayo-Banyo Route" gefahren sind. Sie bereiten sich gerade auf eine mehrwöchige Heimreise vor und lassen hier ihren Truck stehen. Die Freude ist groß und es werden, natürlich auch mit anderen Gästen, reichlich Reisetipps und Erfahrungen ausgetauscht.
Wir sind sehr erstaunt darüber, wie sauber und modern die Innenstadt von Luanda ist – das hätten wir so nicht erwartet. Uns überrascht aber auch, dass Luanda neben Tokio und Oslo die teuerste Stadt der Welt ist, was die Wohnungsmieten angeht. Direkt an der großen Bucht thront die alte portugiesische Festung „Fortaleza de Sao Miguel“, die im Jahre 1576 erbaut wurde. Heute ist das Fort komplett restauriert und beinhaltet ausschließlich ein Militärmuseum. Neben Ausstellungsstücken aus kolonialer Zeit, widmet sich das Museum auch dem 27 Jahre andauernden und grausamen Bürgerkrieg im Lande (1975-2002).
Im Yachthafen der Stadt dürfen wir miterleben, wie sich der Vollmond hinter der nächtlichen Skyline langsam in den Himmel erhebt.
Dann ist auch das Päckchen mit diversen Ersatzteilen in Luanda angekommen – vielen lieben Dank Annette, für die spontane Hilfe. Wir suchen uns eine Werkstatt, die nach über 3.300km das perfekte „Provisorium eines Kühlwasserschlauches“ durch das Originalteil ersetzt. Auch den abgerissenen Warnkontakt der Vorderbremse lassen wir austauschen. Der fiel allerdings schon vor über 4 Monaten in Mauretanien der heftigen Piste zum Opfer, als wir zu den Sand- bzw. Wüstenkrokodilen unterwegs waren. Den zwischenzeitlich doch schon recht verstaubten Innenraumfilter habe ich bereits am Vortag gewechselt.
Nachdem wir uns in einem großen Supermarkt wieder ordentlich mit Lebensmittel eingedeckt haben, besuchen wir das nicht allzu weit entfernte Sklavenmuseum. In dem kleinen Gebäude wird die menschenverachtende Zeit der Sklaverei sehr gut an Hand von Zahlen, Bildern und Gegenständen dargestellt. Detailgetreu wird z.B. beschrieben wie die Schiffe konstruiert wurden, um möglichst viele Sklaven transportieren zu können. So wurde auch genau dokumentiert, wie viele Sklaven in der Zeit von 1501-1867 von welchem Hafen aus nach Übersee transportiert wurden – schließlich galten diese Menschen zu jener Zeit als Handelsware!!!
Nur wenige Kilometer weiter der Küste entlang, befindet sich der „Miradouro da Lua“. Von dort können wir die spektakuläre und mondähnliche Erosionslandschaft aus Sandsteinklippen betrachten, die Wind und Regen über die Jahrtausende entstehen ließ. Sie sind ähnlich den „Badlands“ in North-Dakota/USA oder den „Bardenas Reales“ in Spanien – nur etwas kleiner.
Wir machen uns auf den Weg zu den „Calandula Falls“. Sie sind nach den Victoria Fällen im Grenzgebiet von Sambia und Simbabwe, die zweitgrößten Wasserfälle in Afrika. Die Anfahrt von Luanda kommend zieht sich doch sehr lange hin, da die knapp 400km nicht immer einfach zu fahren sind. Mit einem Panorama Blick auf die herabstürzenden Wassermassen, finden wir für die nächsten Tage an der „Pousada Lodge“ den idealen Stellplatz. Noch am späten Nachmittag verschaffen wir uns mit einer kleinen Wanderung einen ersten Überblick über die gewaltigen Fälle.
Am nächsten Morgen machen wir uns mit einem lokalen Führer auf den Weg, die gesamten Wasserfälle zu umwandern. Zunächst geht es von der Lodge aus steil zum Fluss hinunter. Immer wieder erhalten wir durch das dichte Grün tolle Ausblicke auf die Wasserfälle. Zum ersten Mal können wir auch die gesamte Breite von 400m sehen, über die das Wasser 120m in die Tiefe stürzt. Mit einem kleinen Böötchen setzen wir ans andere Ufer über.
Immer weiter nähern wir uns auf dem glitschigen Untergrund den tobenden Wassermassen und verstehen direkt davor kaum noch unser eigens Wort. Zudem sprüht das Wasser so stark, dass wir im Nu klatschnass sind.
Nachdem wir auf der anderen Seite wieder oben angekommen sind, sehen wir die Fälle aus einer weiteren Perspektive – was für ein fantastisches Naturschauspiel.
Ohne unseren Guide würden wir sicherlich die richtige Passage über und durch die vielen Flussarme die den Wasserfall speisen nicht finden. Jedoch bleibt uns nicht erspart, die Schuhe auszuziehen und durch ein paar Zuläufe zu waten. Wir haben aber auch Glück. Sollte es in den nächsten Tagen etwas heftiger regnen, ist dies Tour so vorerst nicht mehr möglich.
Zur Entspannung drehen wir am Nachmittag noch ein paar Runden im Pool – natürlich mit Blick auf die grandiosen „Calandula Falls“.
Schon von Weitem erkennen wir die Felsenlandschaft von „Pedras Negras“, den Schwarzen Felsen. Wir fahren in den Nationalpark hinein und wandern zu einem der Aussichtspunkte, der sich auf einem der Felsen befindet. Von dort finden wir auch die Felsformation, die sich auf dem 200 Kwanza Geldschein befindet. Am Abend suchen wir uns noch ein abgeschiedenes Plätzchen zwischen den riesigen Sandsteinfelsen, wo wir die Nacht verbringen.
Auf der Weiterfahrt kommen wir an den Stromschnellen des größten Flusses des Landes vorbei, dem „Cuanca“. Ein schöner Platz direkt am Ufer bietet sich ideal für eine ausgiebige Mittagspause an.